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Coronavirus: Welche Gefahren birgt es – und wie können Unternehmen vorbeugen?

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Foto von Jess Bailey

Herr Neumayer, wie groß sind aus Ihrer Sicht die Gefahren, die von der Ausbreitung des Coronavirus für die österreichische Wirtschaft ausgehen?

Momentan sind die Auswirkungen noch gering. Doch einige österreichische Unternehmen unterhalten in China Produktionsstätten, wie zum Beispiel AT&S oder die MIBA-Gruppe. Sie sind einerseits betroffen, weil sie in China Mitarbeiter beschäftigen, darunter auch Expats. Anderseits könnte eine weitere Verbreitung des Virus den Zufluss von Waren und Rohstoffen behindern. Apple rechnet ja beispielsweise schon mit möglichen Lieferschwierigkeiten.


Könnte es zu einer Pandemie kommen?

Von einer Pandemie spricht man, wenn mindestens 15 Prozent der Bevölkerung infiziert  sind. Sie wird immer von der WHO ausgerufen. Bevor die WHO aktiv ist, haben wir es lediglich mit Erkrankungsfällen zu tun, die es ja auch jedes Jahr im Zuge von Grippewellen gibt. Aus heutiger Sicht sind wir also noch ein großes Stück weg von einer Pandemie. Aber die Reisesperre, die China verfügt hat, ist zumindest auffällig. Dass eine ganze Region mit zehn Millionen Einwohnern abgesperrt wird, hat es bisher noch nie gegeben. Das könnte bedeuten, dass China besonders vorsichtig im Umgang mit der Krankheit ist. Es könnte aber auch darauf hindeuten, dass die Regierung mehr weiß als sie nach außen kommuniziert.


Was raten Sie Unternehmen in der aktuellen Situation?

Es ist ganz wichtig, die Situation laufend zu beobachten. Wenn ein Unternehmen Standorte in China unterhält, würde ich genau hinschauen, wo diese liegen und ob diese eventuell von einer Ausweitung der Beschränkungen betroffen werden könnten. Dabei ist es natürlich auch wichtig, auf die Befindlichkeiten der Menschen einzugehen. Wenn Expats in dieser Situation das Land verlassen wollen, dann werden das Unternehmen wohl auch akzeptieren und Ersatzlösungen finden. Dienstreisen in die Region würde ich streichen. Es gibt heute so viele Möglichkeiten der Kommunikation auf technischer Ebene, dass die meisten Dienstreisen ohnehin nicht unbedingt nötig sind. Einige Fluglinien wie Austrian Airlines und Lufthansa haben schon ihre Flüge nach China gestrichen. Das ist ein richtiger Schritt.

Was sind erste Schritte, wenn sich ein Mitarbeiter angesteckt hat?

Unternehmen sollten den betroffenen Mitarbeiter natürlich schnellstmöglich eine Behandlung ermöglichen. Im zweiten Schritt müssen sie prüfen, mit wem der Mitarbeiter am Arbeitsplatz in Kontakt war, um einer weiteren Ausbreitung der Krankheit vorzubeugen. Es gilt dann zu entscheiden, ob das Unternehmen diese Mitarbeiter aus dem Umfeld des Infizierten sicherheitshalber zu Hause lässt beziehungsweise ins Homeoffice schickt, zumindest für die Inkubationszeit der Krankheit, die bis zu 14 Tage beträgt. Das ist dann besonders empfehlenswert, wenn Mitarbeiter sehr eng mit einem infizierten Kollegen zusammengearbeitet haben. Im Zuge einer solchen Entscheidung ist es aber auch ratsam, Rücksprache mit den Gesundheitsbbehörden und dem Krankenhaus zu halten.

 
Was können Unternehmen für solche Infektionsgefahren vorsorgen?

Ganz wichtig ist, einen Notfallplan für Krisen und besondere Erkrankungshäufigkeiten zu entwickeln. Denn Krankheitsausbrüche kann und wird es immer geben. Das muss nicht immer eine Pandemie sein, auch eine größere Influenza-Welle kann ein Unternehmen schädigen. Ein Notfallplan setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Das eine ist das Business Continuity Management. Das bedeutet, Unternehmen sollten planen, wie der Betrieb weiterläuft, wenn Teile der Produktion ausfallen – zum Beispiel durch Krankheitsausbrüche, aber auch durch Streiks, Hochwasser, Brände oder ähnliches. Hier geht es um Fragen, wie „Wohin verlegen wir die Produktion und woher bekommen wir Waren“?

Darüber hinaus muss es weiterführende Pläne geben, die auch HR sehr stark betreffen. Das beginnt beim Monitoring der Situation: Was sagen die Behörden – und was berichten die Medien? Wie beeinflusst uns das und wie reagieren wir darauf? Wie geben wir den Menschen das Gefühl, dass sie gut betreut sind? Denn nur das schafft Sicherheit. Welche Möglichkeiten haben wir, Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten zu lassen? Ist das technisch möglich? Denn das wäre eine leichte Form der „Evakuierung“. All das sind Fragen, auf die sich Unternehmen vorbereiten können und sollen. Außerdem müssen sie im Vorfeld genau festlegen, was genau einen Notfall auslöst (sogenannte Früherkennung), wann das Krisenteam zusammenkommen muss – und wer genau diesem Team angehört.


Welche Vorkehrungen sollten Unternehmen für einen akuten Erkrankungsfall treffen?

Sie können externe Begleiter definieren,  zum Beispiel Ärzte, die das Unternehmen beraten, wenn es darum geht, Informationen an die Mitarbeiter zu verfassen. Es gibt Krankenhäuser, die für Krisenfälle besondere Aufnahmekapazitäten bereitstellen. Diese sollten Arbeitgeber kennen – und sie müssen wissen, wie ein Transport im Falle eines Notfalls am Arbeitsplatz zu regeln ist. Arbeitgeber sollten außerdem festlegen, wie sie die Behörden, die Angehörigen und die Presse informieren – und wer dafür jeweils zuständig ist.

 
Wie viele Unternehmen haben solche detaillierten Notfallpläne?

Ich würde sagen, es gibt einen hohen Bedarf und ein geringes Bedürfnis. Zum einen haben wenige Unternehmen detaillierte Notfallpläne. Zum anderen sind diese, wenn es sie gibt, meist nicht aktuell. Eigentlich sollten Unternehmen Krisenpläne mindestens alle zwei Jahre auf den neuesten Stand bringen und auch am Beispiel verschiedener Szenarien üben. Ansonsten greifen sie im Krisenfall nicht ausreichend.


Welche besonderen Tipps würden Sie Unternehmen bezogen auf das Thema Pandemie-Management gerne mit auf den Weg geben?

Ich empfehle vor allem, Panik zu vermeiden und sich gut vorzubereiten. Denn ich weiß nie, wann ich einen Notfallplan brauche. Jedes Unternehmen ist im Tagesgeschäft überfordert, ad hoc gute Krisenleistungen zu erbringen. Wenn die Medien vor der Tür stehen, weil in dem Unternehmen ein infizierter Mensch gearbeitet hat, die Angehörigen Druck machen und die Mitarbeiter verängstigt sind, ist es unheimlich schwer, professionell zu agieren. Daher ist es besser, sich auf den Worst Case vorzubereiten – und sich dann riesig zu freuen, wenn dieser Fall nicht eintritt.


Interview: Bettina Geuenich
 

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