Die Studie „Toxic employees in the workplace“ (zu Deutsch: Giftige Mitarbeiter am Arbeitsplatz“) wurde vom Anbieter von Cloud-basierten Anwendungen für Talentmanagement Cornerstone OnDemand erstellt. Die Autoren versuchen zu klären, inwiefern Arbeitgeber als potentiell giftig definierte Mitarbeiter vor der Einstellung oder akut gifte Personen am Arbeitsplatz identifizieren können.
Als Analysegrundlage dienten dem Unternehmen anonymisierte Datensätze von 63.000 und in diversen Unternehmen angestellten Mitarbeitern. Dieses Konvolut inkludiert laut Studienbeschreibung 250.000 Beobachtungswerte. Die Analysten filterten diejenigen Personen heraus, die aufgrund eines akuten Fehlverhaltens („toxic behavior“) ihren Hut im Job nehmen mussten.
Als giftig werden in der Studie Menschen bezeichnet, …
… denen Delikte wie Gewalt am Arbeitsplatz nachgewiesen werden konnten,
… die an Drogen- oder Alkoholmissbrauch leiden,
… die sich sexuelle Belästigung haben zuschulden kommen lassen oder
… welche Urkundenfälschung, Betrug und andere Verstöße begingen.
Die gesellschaftspolitische Dimension der Studie
Juristisch gesehen beleuchtet der Report also teilweise kriminelles Verhalten am Arbeitsplatz, Suchtproblematiken sowie Compliance-Themen. Seine Fragestellung grenzt an jene, die Rechtsexperten schon lange interessiert: Wie entsteht kriminelles Verhalten? Wer dieser Frage nachgeht, kommt zu weiteren: Welche Rolle spielen Gene, soziales Umfeld und gesellschaftliche Rahmenbedingungen? Die biologische Kriminalitätsforschung arbeitet seit ungefähr 1970 mit mehreren Stränge und unterschiedlichen Gesichtspunkten. Rein biologische Ansätze werden laut einer Information der Bundeszentrale für politische Bildung heutzutage vernachlässigt.
Was also im Gewand einer leichtfüßigen Studie aus dem US-Amerikanischen daherkommt, hat kulturtechnisch Tiefgang, in der Studie verbinden sich verschiedene komplexe Themen.
Vor diesem Hintergrund ist es auch von Bedeutung, wenn der deutsche Studienkommentator – Sascha Großkopf als EMEA Demand Gen Manager von Cornerstone OnDemand – zu den Ergebnissen in einer begleitenden Pressemitteilung sagt, dass „Verhalten in der Tat vorhersagbar“ sei. Dieses Phänomen wiederum unterstreiche „den großen Nutzen datengestützter Intelligenz für die Unterstützung von Personalentscheidungen“.
Der große Unterschied zwischen einer Big Data-Studie und einer klassischen Umfrage ist jener, dass Studienautoren bei Big Data aufgrund von Fakten versuchen, Phänomene zu beobachten und zu beschreiben, ohne dazu die beobachteten Personen zu befragen. Bei einer klassischen Umfrage hingegen sind die zu beobachtenden Personen Dialogpartner.
Bei der aktuell vorliegenden Toxic-Analyse aggregierten die Autoren Daten und kamen zu diesen Ergebnissen: Folgende Verhaltensweisen stellen Warnsignale dar, die auf toxische Mitarbeiter hinweisen (Wortlaut der Pressemitteilung übernommen, durch Anführungszeichen gekennzeichnet):
1) Bin ich regelkonform?
„Rund ein Drittel der Kandidaten (33 Prozent), die sich bei einem Assessment als „regelkonform“ einstufen, fallen in die Kategorie „toxic employee“. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Assessment-Fragen weniger offensichtlich zu stellen.“
2) Ich bin technisch top!
„Ähnliches gilt für Bewerber, die von ihren technischen Fähigkeiten für einen Job besonders überzeugt sind. Hier erhöht sich die Wahrscheinlichkeit um 43 Prozent.“
Für Einsteiger und Quereinsteiger gilt oft die Maßgabe, bei der Angabe von Fachkenntnissen etwas zu bluffen und dann in der Praxis ordentlich zu klotzen, damit später am Tisch liegt, was versprochen wurde. Zu schweigen wäre auch von Unternehmen, die mit geschönten Studien Kunden zu fischen suchen.
3) Er macht nicht mit und ist unzuverlässig!
„Darüber hinaus gehören fehlende Teilnahmebereitschaft und Zuverlässigkeit sowie mangelnde Kundenorientierung zu den häufigsten Vorhersagewerten für ‚toxisches‘ Verhalten.“
Es ist aus der Studie nicht unbedingt ersichtlich, was die bezifferten Fehlverhalten mit der Liste der zuvor zitierten veritablen Verstöße zu tun hat. Dieses Ergebnis beschreibt vielmehr Faktoren, die im laufenden Business zu einem schlechten Betriebsklima führen.
4.) Vorsicht: Ansteckend!
„Fehlverhalten am Arbeitsplatz ist ‚ansteckend‘ und überträgt sich besonders schnell bei größeren Teams, da diese in der Regel schwerer zu managen und zu kontrollieren sind.“
Diese Passage indiziert einen Punkt, den Employer Brander immer wieder ins Feld ihrer Überlegungen führen: Unzufriedene Mitarbeiter bringen oft große Unruhe in noch so friedlich zusammenarbeitende Teams. Ob allerdings Personen, die unter Alkoholsucht oder sexuelle Überregulation leiden immer auch gleich anderen Menschen dazu verleiten, ähnlich zu handeln, bleibt für den Einzelfall dahin gestellt.
Was die Studie valide klären kann
Ein Konvolut von 63.000 Datensätzen ist ein Paukenschlag, damit lässt sich einiges beobachten. Die Studie konnte über die zitierten Ergebnisse hinaus Erkenntnisse valide absichern, über die in HR-Kreisen common sense herrscht; womit eine Übertragbarkeit zwischen den verschiedenen Kulturkreisen der USA und Deutschland gewährleistet ist:
Drop-Outs
Gute Mitarbeiter, die mit als toxisch definierten Kollegen arbeiten müssen, tendieren zu 54 Prozent dazu, freiwillig aus ihrem Unternehmen auszuscheiden.
Quantität statt Qualität
Auffällige Mitarbeiter konzentrieren sich mehr auf die Quantität ihrer
Arbeit statt auf die Qualität des Arbeitsergebnisses.
Stress und Burnout-Treiber
Problematische Mitarbeiter beeinflussen die Performance ihrer Kollegen
in einer Weise, dass sich Stress und Burnout signifikant erhöhen.
Große Teams – wenig Kontrolle
In großen Teams fallen problematische Mitarbeiter weit weniger auf als in kleineren.
Die vollständige Studie herunterladen und lesen: cornerstoneondemand.com
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