BDVT-Preis jetzt europäisch. Erfolgskontrolle und EU-Arbeitsmarktpolitik zentrale Schwerpunkte

|
long table with Eiffel chair inside room
Foto von Pawel Chu

Es gibt ein Wort, das strenger ist als der Begriff „Note“, nämlich Kontrolle. Und das klingt in den Ohren vieler Zeitgenossen nach Herrschaft oder Überwachung: Gesetzesübertretungen ausbremsen, Leitplanken vorgeben und Missstände registrieren. Der jüngst verstorbene Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Frank Schirrmacher hat in seinem Buch „Payback“ skizziert, welche Kontrolle in einer digitalen Arbeitswelt der Algorithmen längst möglich ist. Seinen Recherchen zufolge bestimmen künftig auch Programme und keine Menschen, wer im lebenslangen Lernprozess ein vielversprechendes Talent ist. Kurz: Das Wort Kontrolle hat in der zeitgenössischen Gesellschaft einen strengen Geruch bekommen. Dabei wäre eine andere Bedeutung möglich und fruchtbar.

Was meint vor diesem Hintergrund Erfolgskontrolle in der Personalentwicklung? Der BDVT gibt eine Antwort darauf, weil er sie zu einer seiner Reißleinen im Wettkampf von Trainern und Coaches um den begehrten BDVT-Trainingspreis macht, den er nun als europäische Trophäe neu auflegt. Eine Erfolgskontrolle mache den Wert von Personalentwicklung transparent, heißt es in den Ausschreibungsunterlagen. Offenbar geht es immer noch vorrangig darum, in Budgetverhandlungen Ausgaben für betriebliche Bildung besser verkaufen zu können.

Interessantes Detail: Der BDVT unterhält seit längerem eine eigene Fachgruppe „Erfolgskontrolle“, in der Experten an Tools, Methoden und Maßstäben arbeiten. In regelmäßigen Events, den so genannten „LernWerkstätten“, vermitteln sie ihre Fachkenntnisse. Zudem erarbeitet die Fachgruppe Grundlagen für eine neue Ausbildung „Experte der Erfolgskontrolle“. Die BDVT-Maßstäbe will die Preisjury nun sämtlichen Wettbewerbsbeiträge anlegen.

Auf der BDVT-Website schreibt die Fachgruppe: Die Erfolgskontrolle helfe Trainern, Personalentwicklern und Beratern, sich mit ihren Projekten im Unternehmen klar zu positionieren. Für Unternehmen wird argumentiert, dass eine Erfolgskontrolle Nachhaltigkeit in der Unternehmensentwicklung bedeute. Ob diese Aussagen die Bedürfnisse von Mitarbeitern und das Urteil von Entscheidern gleichermaßen betreffen, geht aus der Pressearbeit zum Preis-Relaunch nicht eindeutig hervor.

Tatsache ist hingegen, dass die BDVT-Jury, die künftig nur aus verbandsunabhängigen Experten bestehen soll,  gesellschafts- und wirtschaftspolitische Pläne in Europa bei ihrem Urteil berücksichtigen will. Konkret benennt der Verband dazu die „Agenda für neue Kompetenzen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten“ als Teil des aktuellen Wirtschaftsprogramms der Europäischen Union „Europa 2020“ sowie „Trends bei öffentlichen Förderprogrammen“.  

Es bleibt zu hoffen, dass die arbeitgeber- und dienstleisterseitige Ausrichtung der Erfolgskontrolle nicht dazu führt, dass im Kampf um Budgets und Aufträge die eigentliche Aufgabe einer Kontrolle unter die Räder kommt: Den Mitarbeiter zum Erfolg begleiten, den Bildungsauftrag der betrieblichen Weiterbildung wahren und eine offene Unternehmenskultur etablieren, die Kreativität fördert. Das würde sich übrigens mit einem anderen Begriff vermitteln lassen, der von BDVT-Vizepräsidentin Jutta Timmermann stammt, die auch die Preisjury leiten wird: Wirksamkeit. Timmermann bringt diese wie folgt auf den Punkt: Aufträge sauber klären – was wollen Unternehmer und was brauchen Mitarbeiter? – und diese mit einem didaktisch sinnvollen Methodenmix umsetzen. Ausblick: Wenn sich statt Kontrolle „Prüfung auf Wirksamkeit“ als Begriff durchsetzen könnte, würde der Wortsieg gewiss auch einer anderen Philosophie Schienen legen. Es muss auch möglich sein, etwas zu diskutieren, ohne dass das Geld ständig die Oberaufsicht führt.  

—————-

Fotocredit:
Uwe Wagschal | www.pixelio.de

Melde dich jetzt zum HRM Newsletter an