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Foto von Sean Pollock
Veranstaltungstipp

Das dritte Global Drucker Forum findet

am 3. und 4. November 2011 in Wien statt. Weitere Informationen und Registrierung unter www.druckersociety.at

Obwohl Unternehmen für den größten Teil der Wertschöpfung in der heutigen Welt verantwortlich sind, ist das Vertrauen der Öffentlichkeit in Wirtschaft und Management verschwindend gering. Dem Edelman Trust Barometer 2011 zufolge vertraut nur etwa die Hälfte der breiten Öffentlichkeit in der westlichen Welt auf die Fähigkeit der Wirtschaft, das Richtige zu tun. Regierungen ergeht es mit Vertrauensquoten um die 40 Prozent noch schlechter. Führungskräften eilt der Ruf voraus, sich ausschließlich an wirtschaftlichen Kriterien zu orientieren und dabei wenig „echte“ Sorge für die Gesellschaft zu tragen. Selbst die wachsende Zahl an Corporate Social Responsibility-Programmen kann dem Management keine Legitimität in der öffentlichen Meinung verleihen.

Tatsächlich werden CSR-Initiativen vielfach als PR- und Marketing-Programme wahrgenommen, die wenig Einfluss haben auf die Art und Weise, wie das Kerngeschäft eines Unternehmens geführt wird. Innerhalb der Unternehmen stehen die Dinge nicht viel besser: Nach Angaben des Corporate Leadership Councils waren im ersten Quartal 2011 mehr als 20 Prozent der Beschäftigten in hohem Maße unengagiert, während auf der anderer Seite lediglich 39 Prozent hohen persönlichen Einsatz zeigten. Es ist natürlich verlockend, solche Negativtrends auf die jüngste Finanzkrise und deren Widerhall in der realen Wirtschaft zurückzuführen. Sicher: Die große Rezession hat wenig dazu beigetragen, das Image der Wirtschaft aufzupolieren. Anderseits sind diese Tendenzen keinesfalls neu - was lediglich darauf hindeutet, dass die Ursachen tiefer liegen.

Enttäuscht vom Finanz-Kapitalismus

Peter Drucker hatte schon in den 80er und 90er Jahren seine tiefe Besorgnis darüber ausgedrückt, dass sich der Kapitalismus zunehmend auf die „Shareholder Value“ – Doktrin fokussierte. Besondere Sorge bereiteten ihm die Folgen von „Financial Engineering“ und kurzfristiger Gewinnmaximierung: Mitarbeiter wurden auf den Kostenfaktor reduziert, „Human Resources“ anderen variablen Ressourcen gleichgesetzt und abgebaut, falls es der Erreichung kurzfristiger finanzieller Ziele diente.

Dreißig Jahre nach Druckers erstem Appell scheint sich die Lage nicht gebessert zu haben. Im Gegenteil: Heute leiden immer mehr Führungskräfte unter jener „Tyrannei der Kurzfristigkeit“, wie es Dominic Barton 2011 in der Märzausgabe des Harvard Business Review bezeichnet hatte. Dadurch, dass sie unverhältnismäßig viel Energie und Ressourcen darauf verwendeten, Quartalsergebnisse „auf den Cent genau“ abzuliefern, reduzieren Führungskräfte ihre Kapazität zur langfristigen Wertschöpfung dramatisch. Niemand leugnet den enormen Druck, den die Finanzmärkte auf die kapitalmarktnotierten Unternehmen ausüben. Allerdings ist auch unbestritten, dass diese kurzsichtige Ausrichtung verheerende Auswirkungen zeitigt und das Vertrauen innerhalb wie außerhalb der Unternehmen untergräbt.

Nachdem sich diese Tendenzen über Jahrzehnte hinweg verschärften, hat sie die jüngste Krise ins Rampenlicht katapultiert und zu einer breiten Diskussion über Kapitalismus, ungezügelte Märkte sowie über die Legitmität des Management in der Gesellschaft geführt. Hatten nicht die Fehleischätzungen und das Fehlverhalten von Führungskräften in Wirtschaft und Politik die Krise ausgelöst und die Welt an den Rand des Abgrundes geführt?

Trotz aller berechtigter Kritik muss jedoch eines festgestellt werden: Der Kapitalismus ist immer noch das leistungsfähigste Wirtschaftssystem. Seine Fähigkeit, Wohlstand und Reichtum zu erzeugen, hat es nachhaltig unter Beweis gestellt. Angetrieben von rasch aufeinanderfolgenden technologischen Entwicklungszyklen, die zahlreiche Innovationen hervorbrachten, verbesserte der Kapitalismus zweifellos das Leben von Hunderten von Millionen Menschen.

Keine Frage, dass uns ein globalisierter Kapitalismus vor gänzlich neue Herausforderungen stellt: Die Welt ist komplexer, interdependenter somit aber auch anfälliger und unberechenbarer geworden. Wie es nicht zuletzt die Finanzkrise deutliche machte, können sich Erschütterungen leicht von Kontinent zu Kontinent verbreiten. Und eine rasche Lösung ist nicht in Sicht. Eine rasch wachsende Weltbevölkerung, die um die Jahrhundertmitte voraussichtlich die 9-Milliarden-Grenze erreichen wird, lässt enorme demografische und ökonomische Verschiebungen zwischen den entwickelten Ländern und den Schwellenländern vorhersehen. Die Bestrebungen, die Bedürfnisse auf diesem Planeten zu decken, werden höchste Anforderungen an jede Art von Ressourcen stellen. Diese reichen von Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Energie, Gesundheit und Wohnungsbau bis zu höheren Bedürfnissen wie Bildung, Beschäftigung und sozialer Status.

Regierungen, Zivilgesellschaft und Unternehmen müssen alle ihren Teil der Verantwortung übernehmen, um neue Lösungen zu finden. Voraussetzung dafür ist ein ebenso leistungsfähiges wie effektives politisches, soziales und wirtschaftliches System. Kann ein revitalisierter Kapitalismus seinen Teil zur Bewältigung dieser Herausforderung beitragen? Kann er jenes Maß an Wissen, Kreativität und Innovation mobilisieren, das wir in den nächsten Jahrzehnten benötigen werden? Können unsere hoch spezialisierten und zweckorientierten Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen, ohne dabei ihre Wirtschaftskraft und Leistungsfähigkeit zu verlieren? Kann der Kapitalismus dazu beitragen, den Zusammenprall der Kulturen durch die Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung in der ganzen Welt zu dämpfen?

WAS DIES FÜR MANAGEMENT UND MANGER BEDEUTET, LESEN SIE IM ZWEITEN TEIL.