Altbewährtes renoviert: Der 16. DGFP-Kongress

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Foto von Jess Bailey

Solange mein Eindruck von dem gestriger Besuch auf dem DGFP-Kongress noch frisch ist, möchte ich Sie daran teilhaben lassen:

Erstmals eröffnete der neue Geschäftsführer der DGFP, Prof. Gerold Frick, den Kongress und nutzte die Gelegenheit auf dem Podium und in der Pressekonferenz, die aktuelle Stoßrichtung des Vereins zu skizzieren. Neben zu erwartenden Ankündigungen, wie der Tatsache, dass die DGFP nicht auf jeden neuen Zug aufspringen wolle und auf professionelles Personalmanagement setze, gab es doch ein paar Überraschungen: Da die DGFP nicht alle Themen bis in die Tiefe abdecken könne, seien passende Kooperationspartner von Nöten. Eine neue Kooperation mit dem Human Capital Club ist bereits unter Dach und Fach. Es soll ein jährliches Human Capital Symposium in München und einen gemeinsamen Studiengang für Human Capital Management geben.

Außerdem plane die DGFP das Ausbildungsprogramm „ProPer“ an neue Standards, wie sie beispielsweise der Bologna-Prozess mit sich bringe, anzupassen. In der Vergangenheit hatte der Verein sich mit dem Thema keine Freunde gemacht – vor allem nicht an den Hochschulen. Zu sehr empfanden diese die Vorgaben der DGFP als Gängelung. Das ProPer-Projekt war übrigens zumindest ein Grund dafür gewesen, dass sich im vergangenen Herbst die HR Alliance gegründet und einige renommierte DGFP-Mitglieder von der Fachorganisation abgewendet hatten. Als weitere Neuerung stellte Prof. Frick ferner den Relaunch des DGFP-Online-Auftrittes in Aussicht. Die für den Kongress geplante Vorstellung des neuen Internetangebots musste offensichtlich aufgrund von technischen Schwierigkeiten verschoben werden – laut Frick auf September 2008.

Zum Kongressauftakt hatte sich die DGFP den Worten Ihres neuen Geschäftsführers zufolge vorgenommen zu zeigen, „dass im Personalmanagement alle Akteure eines Unternehmens gefragt sind“. Deshalb setzte der Kongress in seiner Anfangsformation auf zwei Unternehmerpersönlichkeiten: Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG, und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Willhelm Scheer, Präsident des Bitkom und Vorsitzender der IDS Scheer AG.

Insbesondere von Herrn Mehdorn hatte ich mir ein paar spannende Kommentare zu der derzeitigen Debatte um die Ernennung des Arbeitsdirektors Norbert Hansen erhofft. Viele Beobachter, darunter auch die HR Alliance, hatten diese Personalie kürzlich stark kritisiert. Die Kritiker äußerten aufgrund der zeitlichen Nähe der Ernennung, des Tarifkonflikts sowie der Zustimmung der von Norbert Hansen geführten Gewerkschaft zur Privatisierung die Vermutung, dass hier ein Arbeitnehmervertreter für Wohlverhalten honoriert wurde. Immerhin ist es ziemlich verwunderlich, wozu neben Frau Suckale ein zweiter Personalvorstand gebraucht werden sollte. Leider gab es dann jedoch viel Beweihräucherndes zum hervorragend geglückten Wandel der Deutschen Bahn zu hören und nur wenig Konkretes das Personalmanagement betreffend. „Die Konsequenz im Handeln ist eines der Erfolgsrezepte, die wir haben“, verriet Mehdorn. Ein großer Teil des Wandels von „ursprünglich zwei Unternehmen aus Beamten, die nicht unternehmerisch dachten, zu einer Kultur der Leistung“ sei vorbei. Jetzt müsse das Unternehmen vorankommen. Den Hauptfokus erkennt Mehdorn in der Internationalisierung. Neue Herausforderungen sieht er dabei vor allem in unterschiedlichen Bezahlungssystemen, in dem Problem, Incentives abstimmen und fair zu bleiben gegenüber allen. Es sei wichtig, einen gemeinsamen Nenner beim Wertemanagement zu finden. „Das Ziel jeder Gesellschaften ist gleich, aber der Weg ist für alle verschieden.“

Obwohl auch der zweite Gast im Plenum, Prof. Scheer, die Notwendigkeit zur Internationalisierung betonte, hatten die Organisatoren in den einzelnen Foren andere Themen favorisiert: 1. Talente finden, führen und entwickeln, 2. Web 2.0 trifft Personalmanagment – kommunikative Revolution?, 3. Schlüssel zum Erfolg und 4. Wissen(schaft) für die Praxis – Professionalisierung und Wissenstransfer. Im zuletzt genannten Forum, für das ich mich entschieden hatte, präsentierten zunächst Prof. Dr. Rainer Marr von der Universität der Bundeswehr München, Prof. Dr. Niclas Scharper von der Universität Paderborn und Thomas Perlitz, Corporate Vice President Human Resources bei Henkel, aus ihrer Sicht notwendige Kompetenzen und Konzepte für professionelles Personalmanagement. Anschließend hatten Prof. Dr. Hans Klaus von der Fachhochschule Kiel und Hans-Helmut Retzlaff-Schröder das Wort. Im Fokus: Der Bologna-Prozess und seine Auswirkung auf das Hochschulmarketing von Unternehmen. Doch dazu mehr in unserem nächsten Thema des Monats…

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