Active Sourcing: Recruiter und Bewerber laufen aneinander vorbei

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Foto von Dose Media

Über die Studie

 

Für die aktuelle Ausgabe der Studienreihe Recruiting Trends 2016 wurden die 1.000 größten Unternehmen (Rücklaufquote 11,4%) aus Deutschland befragt und die Ergebnisse mit den Resultaten des Nutzungsverhalten und den Einschätzungen von über 4.800 Stellensuchenden und Karriereinteressierten verglichen. Für einen umfassenden Überblick wurden zudem Analysen der Top 300 Unternehmen aus den Branchen Automotive (Rücklaufquote 8,0%), Handel (Rücklaufquote 7,7%) und IT (Rücklaufquote 9,0%) sowie mehrere Fallstudien durchgeführt. Auf Unternehmensseite ist die Verteilung der Stichproben der jeweiligen Studienteilnehmer gemäß dem aktuellen Datenbankregister von Bisnode hinsichtlich der Merkmale Umsatz, Mitarbeiterzahl und Branchenzugehörigkeit in Bezug auf die entsprechende Grundgesamtheit repräsentativ.

 

 

 

 

 

Das Karriereportal Monster gibt mit dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg jährlich Studienreihen über Trends im Recruiting und über Bewerberverhalten heraus. Die aktuelle Studienreihe 1 stammt vom März 2016 und beleuchtet mit drei verschiedenen Themenreports, inwiefern Arbeitgeber und Bewerber Vorstellungen darüber teilen, wie Recruiting ablaufen sollte. Das ist vor allem deswegen interessant, weil das Anwerben und Kommunizieren einem starken Wandel unterliegt. Die Bewerbungsformen gestalten sich äußerst vielfältig. Unternehmen sind gefordert, im Rahmen von Active Sourcing selbst interessante Kandidaten zu finden. Zudem wird das Recruiting immer digitaler.

Umso schwerer wiegt, dass die Strategien und Auffassungen von Unternehmen und Kandidaten über sinnvolle Maßnahmen offenbar auseinander driften. Die folgende Studienaufstellung zeigt deutlich, wie unterschiedlich wertvoll beide Parteien Recruitinginstrumente des Active Sourcings einschätzen:

Karriereevents für Studenten
Unternehmen >> 90,3% // Stellensuchende >> 12,6%

Personal- und Absolventenmessen
Unternehmen >> 89,0% // Stellensuchende >> 21,3%

Eigene Talent-Pools
Unternehmen >> 91,0% // Stellensuchende >> 55,5%

Persönliche Netzwerke
Unternehmen >> 94,9% // Stellensuchende >> 61,1%

Externe Lebenslaufdatenbanken
Unternehmen >> 38,1% // 75,0%

Foren und Blogs
Unternehmen >> 50,0% // Stellensuchende >> 6,4%

Soziale Netzwerke / Plattformen
Unternehmen >> 25,0% // Stellensuchende >> 14,5%

Karrierenetzwerke
Unternehmen >> 78,3% // Stellensuchende >> 70,8%

Diese Ergebnisse allein sind alarmierend. Setzen Personaler nichts dagegen, könnten die Studien im nächsten Jahr eine eklatantere Perspektive bieten; die befragten Arbeitgeber meinen nämlich, an ganz anderen Stellen noch nachjustieren zu müssen. Rund 88,2% der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Rekrutierenden in Sachen Active Sourcing neue Fähigkeiten im Social Media-Bereich entwickeln müssen, weil ihre Zielgruppen dort stark aktiv seien. Daher sind sich etwa drei Viertel der Unternehmen sicher, dass sie auf Social Media-Kanälen präsent sein müssen, um vor allen Dingen die Generation Y rekrutieren zu können. Allerdings scheinen Unternehmen zum Teil ohne Konzept zu arbeiten. Sie haben keine Strategie. Die Studienautoren meinen, dies liege daran, dass Arbeitgeber nach wie vor einen hohen Aufwand für Active Sourcing befürchten, beziehungsweise vermeiden wollen.

Einig waren sich die befragten Parteien allerdings darüber, dass moderne Kommunikationsformen sich künftig noch stärker durchsetzen. Dieser Meinung waren 37,6% der Unternehmen und 35,7 Prozent der Arbeitnehmer. Allerdings ist das alles noch Zukunftsmusik, denn technikgestützte Personalsuchen werden bislang mehr diskutiert als eingesetzt. Mit anderen Worten: automatisiertes Robot Recruiting, Gamification im Recruitingprozess und moderne Bewerbermanagementsysteme sind laut Studie kein Standard unter den befragten Unternehmen. Die Studie hat den Einsatz folgender Tools und Medien untersucht:

2,4% der Top 1.000 Unternehmen nutzen Algorithmen zur Stellensuche. Diese bieten interessanten Zielpersonen offene Stellen an oder empfehlen ihnen den Arbeitgeber.

2,5% der befragten Arbeitgeber setzen Online-Spiele an, um im Vorfeld einer Bewerbung Eignungen von Interessenten einstufen zu lassen.

1,3% der Arbeitgeber nutzen Instant-Messaging-Dienste,
um mit Kandidaten in Kontakt zu treten.

Angesichts des bislang geringen Erfahrungsstandes der Bewerberseite mit diesen Tools fallen die geringen Quoten noch nicht ins Gewicht. Es bleibt abzuwarten, ob Angebot oder Nachfrage künftig zu einem Boom moderner Recruitingkanäle führen wird.

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