Das etwas über 200 Seiten umfassende Buch ist im Querformat – vielleicht an Querdenker gerichtet – und lebt stark von den teils recht witzigen Cartoons von Much Unterleitner, die auf fast jeder Seite zu finden sind. Mein Favorit ist das Titelbild, wo ein Boot mit dem Kommando „vorwärts“ kräftig im Kreis rudert. Es erinnert mich an die Unterscheidung zwischen Rennpferd- und Schaukelpferd- Kulturen: Bei beiden ist viel Bewegung – nur am Ende des Tages sind die einen am Ziel, während es bei den anderen vielleicht einen Absturz, aber keine Vorwärtsbewegung gab.

person using MacBook Pro
Foto von Glenn Carstens-Peters

Die Autoren versprechen Hilfe für alle, die mit Veränderungen zu tun haben – also vom erfahrenen Change-Profi bis zum Einsteiger. Dies ist ein hehres Ansinnen, da „all things to all people“ häufig den Schrotflinteneffekt hat und manches dabei ins Leere geht. Für mich ist das Buch für Einsteiger trotz des Versuchs einer Gliederung etwas zu unstrukturiert und überfrachtet; der Neuling könnte bald den Wald vor Bäumen nicht mehr sehen. Wenn man schon zehn Change-Bücher gelesen hat, ist es ein guter und vor allem praxisrelevanter Überblick über das Thema, ohne jedoch ein wissenschaftliches/akademisches Textbuch oder Kompendium zu sein, da es unter anderem ganz ohne Fußnoten auskommt und auf die sonstigen gängigen MBA-Theorien kaum expliziten Bezug nimmt.

Für mich ist das Buch eine Art Almanach: aus der Praxis – für die Praxis, mit Berücksichtigung der „soft facts“, welche oft den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Dies wird durch eine Aufstellung von erfolgsrelevanten Faktoren untermauert. Ich fand im Text keinen grundlegend neuen Ansatz, jedoch viel Management-Erfahrung, die einen Erfolg im Organisationsalltag wahrscheinlicher macht und von der in der Praxis stehende Change-Manager profitieren können. Die Auflistung der Change-Tools ist weitreichend, ohne jedoch taxativ zu sein. Störend für mich war, dass man nicht weiß, wer was geschrieben hat. Die Gruppe will sich zwar als Einheit vorstellen, aber es ist doch klar, dass die einzelnen Beiträge von den Herausgebern – unbekannterweise – zusammengefügt wurden. Ich hätte lieber gewusst, mit wem ich es jeweils zu tun habe.

Zusammenfassend erlebe ich das Buch als ein ernstes Schmunzelbuch für Change Manager mit Erfahrung, voller Vignetten, über 240 Tipps zu 80 Themen, zu denen die Beratergruppe aus dem Nähkästchen plaudert. Ich würde es allen schenken, die einen Check für ihre Veränderungsstrategie möchten beziehungsweise als Ideenlieferant für die Planungsphase eines größeren Change-Projektes. Schließen möchte ich mit einem Zitat von Mahatma Gandhi aus der Einleitung des Buches: „Wir selbst müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.“

Praktischer Nutzwert * * * **
Lesbarkeit/Schreibstil * * ***
Verständlichkeit * * * * *
Gliederung/Übersichtlichkeit * * * **
Meine persönliche Empfehlung für Personalverantwortliche * * ***

Abenteuer Change Management

Handfeste Tipps aus der Praxis für alle, die etwas bewegen wollen

Von Manfred Höfler, Dietmar Bodingsbauer, Hubert Dolleschall, Franz Schwarenthoner u. a.

Frankfurter Allgemeine Buch 2010

224 Seiten, 24,90 Euro

ISBN 978-3-899-81242-8

www.faz-institut.de

Quelle: personalmanger - 5/2011