3-jährige Meta-Studie zeigt: Internet beflügelt Selbstlernen

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Foto von Joanna Kosinska

Beim Trend zum informellen, selbstorganisierten Lernen tendieren Lernende immer mehr dazu, ihre Lernprozesse selbst zu organisieren und eigenständig zu bestimmen, was, wie, wann und wo sie lernen möchten. Die Arbeitgeber unterstützen diesen Trend, indem sie ihren Mitarbeitern persönliche Lernumgebungen bieten. Lernende können die Lernplattform ihres Arbeitgebers ihren Bedürfnissen entsprechend gestalten.

Beim Trend zum Lernen in sozialen Netzwerken soll das Lernen zwar individuell ablaufen, der Austausch mit Gleichgesinnten und damit das kooperativen Lernen ist aber auch sehr wichtig. Webbasierte soziale Netzwerke sind aufgrund ihrer rasanten Entwicklung und ihres Angebots an Community-Funktionen sehr beliebt zum Austausch. Bei XING findet man unter dem Suchbegriff „Weiterbildung“ bereits 300 Untergruppen. Auch Facebook wird zunehmend von Bildungsanbietern genutzt, um Seminarteilnehmer zu vernetzen. Funktionen, wie die Gruppenbildung zu einem bestimmten Thema oder das Posten von Kommentaren und Chatfunktionen unterstützen den Austausch untereinander.

Veranstaltungstipp:

Swiss eLearning Conference

Workplace Learning – Wettbewerbsfähigkeit durch Kompetenzentwicklung

Messe Zürich
www.selc.ch

Top-Trends User Generated Content und mobile Learning

Die aktuelle Arbeit trägt den Titel „Die Zukunft des Lernens – Schlussbericht der Studie zur Entwicklung von Personal-, Informations- und Trainingsmanagement“ und beantwortet unter anderem die Frage welche Trends für die berufliche Weiterbildung langfristig relevant seien. Meta-Studie bedeutet, dass keine eigenen Befragungen durchgeführt, sondern eine Vielzahl von Bildungsstudien aus den Jahren 2008 bis 2010 ausgewertet wurden. Wenn ein Trendthema in mindestens fünf Studien auftauchte, wurde es zum dauerhaften Trend ernannt. Diese Top-Trends finden bereits deutlich im Arbeitsalltag ihren Niederschlag: „Einfache“ Mitarbeiter von Unternehmen werden zum Beispiel zunehmend in den Prozess der Content-Erstellung mit einbezogen. Diverse Tools unterstützen dies und ermöglichen es, Inhalte flexibel und schnell zu erstellen und zu aktualisieren. Es handelt sich beispielsweise um Wikis und Blogs. Mit Hilfe von Wikis lassen sich umfangreiche, schnell aktualisierbare und gemeinschaftlich gepflegte Nachschlagewerke erzeugen. Blogs hingegen bieten eher den Vorteil, Inhalte in einer chronologisch linearen Abfolge darzustellen und können zum Erfahrungsaustausch und zur Veröffentlichung von Neuigkeiten zu einem bestimmten Thema eingesetzt werden. Neben Textinhalten gewinnen auch Videoinhalte an Bedeutung.

Auch hat das Lernen über mobile Endgeräte in den letzten ein bis drei Jahren stark an Relevanz gewonnen. Dies hängt mit der raschen technischen Entwicklung und den dadurch entstandenen weit reichenden Möglichkeiten in diesem Bereich zusammen. Nutzungsangebote wie mobiles Internet, mobile Flatrates, Netbooks, Smartphones und Tablets ermöglichen es jedem Nutzer, jederzeit, an jedem Ort und zu günstigen Tarifen auf das Internet zuzugreifen. Darüber hinaus können zum Beispiel Smartphones viele Aufgaben von Computern übernehmen und finden daher verstärkt Einsatz sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. Eine Unterstützung von Lernprozessen mittels mobiler Endgeräte ist somit eine logische Konsequenz.

Rückläufige Trends

Die Studie fand auch heraus, welche Themen seit dem Jahr 2008 seltener als „Trend“ eingestuft wurden. Es sind:

– Qualitätsmessung und Standardisierung von Weiterbildung
– Verknüpfung von Arbeits- und Lernprozessen
– Rapid-E-Learning
– Lernplattformen.

Speziell der Punkt Qualitätsmessung, welcher bis 2008 immer wieder als „wichtig“ bezeichnet wurde, hat mittlerweile stark an Relevanz verloren. Auch die Verknüpfung von Arbeits- und Lernprozessen sowie der Kauf von Lernplattformen haben einen Bedeutungsverlust erlitten. Für den Wegfall oder die nicht mehr so häufige Nennung von Trends sind unterschiedliche Gründe anzunehmen: Das Thema ist bereits so sehr im Alltag verankert, dass es von den Befragten nicht mehr als Trend betrachtet wird. Dies gilt laut Studie für Themen wie beispielsweise „Globalisierung im Trainingsmarkt“ und „Qualitätsmessung und Standardisierung“, „Lernplattformen“ sowie „Verknüpfung von Arbeits- und Lernprozessen“.

Es hat aber auch eine Ausdifferenzierung stattgefunden: Ein früher genannter Trend hat sich in spezifischere (Unter-)Trends differenziert und taucht selbst nicht mehr in Studien auf. Nehmen wir als Beispiel den älteren Trend hin zu der „Verknüpfung von Arbeits- und Lernprozessen“. Die Verbindung von Arbeits- und Lernprozessen wird durch den stärkeren Einsatz von Social-Media-Tools am Arbeitsplatz gefördert und beeinflusst. Social-Media-Werkzeuge sind ihrerseits wichtige Hilfsmittel für informelles und selbstorganisiertes Lernen. Für die Trendanalyse bedeutet dies, dass der Trend „Integration von Lern- und Arbeitsprozessen“ immer noch relevant ist, aber in den neueren Studien von den spezifischeren Trends „kooperatives Lernen“ und „selbstorganisiertes Lernen“ abgelöst wird.

Weitere Informationen zur Studie gibt es unter www.time4you.de bei Beate Bruns (bruns@time4you.de) oder unter www.znl.zhaw.ch bei Professor Dr. Andreas König (andreas.koenig@zhaw.ch)

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