„Das Management von Wissensarbeit und Lernen rückt in Deutschland stärker in das Zentrum der Unternehmensstrategien“, ist Dr. Peter Schütt, Vorstand des BITKOM-Arbeitskreises Wissensmanagement überzeugt. „Zudem kann Wissensmanagement die Kontinuität von Geschäftsprozessen gewährleisten, selbst wenn Wissensträger ausfallen oder das Unternehmen verlassen“, so Schütt, der zu dem engeren Autorenkreis des BITKOM-Positionspapiers gehört. Während in den vergangen Jahren die Möglichkeiten des Wissensmanagements ausgeschöpft schienen, kommt es nun umso gewichtiger zurück: Mit dem Web 2.0 und dem damit einhergehenden User Generated Content.
Unternehmen 2.0 Studien von Analysten zeigen, dass die Adaption von Web-2.0-Lösungen in anderen Ländern schneller verläuft als in Deutschland. Umso wichtiger ist es gemäß dem BITKOM, den Wettbewerbsvorteil, den sich andere Länder dadurch erarbeitet haben, wieder aufzuholen. Denn angesichts aufstrebender Schwellenländer könne nur eine vermehrte Produkt-, Prozess- und Organisationsinnovation den heutigen Lebensstandard in Deutschland auch zukünftig garantieren und das Innovationsmanagement sei zunehmend integrativer Bestandteil von Wissensmanagement. Folglich gilt es, den Nachwuchs an Leistungsträgern für die moderne Wissensorganisation besser zu qualifizieren.
Doch was können Personalverantwortliche dafür tun, um diesen Prozess voranzutreiben? Ein wichtiger Schritt besteht sicherlich darin, organisationsintern das Web 2.0 zu nutzen. Diesen Trend beschreiben die Autoren des BITKOM-Reports als „Transformation zum Unternehmen 2.0“: Schrittweise sollten die „bisher nicht sehr effektiven“ Tools des Wissensmanagements durch Web-2.0-Services wie Wikis und Blogs, Community Management und Social Bookmarking oder Tagging ersetzt werden. Erst daraus könnten sich mit der Zeit neue Praktiken und Prozesse entwickeln, die die Unternehmen innovativer machen.
Antwort auf den demografischen Wandel Insbesondere das Community Management nimmt vermutlich zukünftig eine Schlüsselrolle in Unternehmen ein. Im Zuge des demografischen Wandels steigt die Zahl der älteren Arbeitnehmer, die zumeist eher vorhandene Lösungen optimieren als neue Produkte oder Dienstleistungen zu erfinden.
Unternehmen sollten sich deshalb – so der Report – folgende Fragen stellen:
- Wie kann die heutige Wissens- und Innovationsdynamik beibehalten werden, wenn der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter steigt?
- Wie können weiterhin junge Spitzenkräfte für das Unternehmen begeistert werden?
- Wie kann es Unternehmen gelingen, das Wissen älterer Mitarbeiter bei abnehmenden Wissenshalbwertzeiten aktuell zu halten?
- Wie lässt sich der Wissenstransfer zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern besser organisieren?
Die Antwort auf diese Fragen erkennt der BITKOM in neuen Lösungen wie Communitys, die es den Mitarbeitern erlauben, sich stärker zu vernetzen und damit über Unternehmensgrenzen hinweg einen Wissenstransfer zu garantieren. Auch ausgeschiedene Mitarbeiter könnten in solchen Netzwerken einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie beispielsweise als Moderatoren tätig werden. Wenn Unternehmen so auf eine breite Wissensbasis hinarbeiten, sei der Ausfall oder Weggang von Wissensträgern besser zu verkraften.
Soziale Netze und selbstorganisiertes Lernen Auch in der Personalentwicklung stehen zahlreiche Änderungen bevor: „E-Learning Angebote werden zunehmend mit Social-Software-Diensten und Nutzer-generierten Inhalten kombiniert, so der Report. Dabei werde das klassische Präsenztraining zwar erhalten bleiben, aber als eine Art „Basistraining“. Auf dem Vormarsch sind laut des Positionspapiers Blended Learning Angebote – insbesondere solche, die einen interaktiven Austausch der Teilnehmer ermöglichen. Social-Networking-orientierte Lernformen („Collaborative Learning“) hätten den Vorteil, dass sie unmittelbar und informell durchgeführt werden können.
Die Lerncommunity ersetzt dabei den Lehrenden. In Social Networks lernen die Mitarbeiter überwiegend im Selbststudium und im Kontakt mit anderen Nutzern des Netzwerks – in häufigen spontanen Kontakten zu Experten und geplanten, eher seltenen zu Dozenten. Auch die Wissens- und Lerninhalte ändern sich: Sie bestehen zukünftig „nur noch aus sehr kleinen Segmenten, die einen unmittelbaren Bezug zum akuten Lernbedarf am Arbeitsplatz haben und die nicht mehr auf Vorrat, sondern nur mehr nach Bedarf genutzt werden.“
Da die Wissensarbeiter in diesem Szenario für ihren Lernprozess selbst verantwortlich sind, verschiebt sich auch die Aufgabe der Personalentwicklung – weg von einer zentralen Lernorganisation hin zu einem „Qualifizierungsmanagement“ der Mitarbeiter, das vorwiegend den Schulungsbedarf analysiert.
Den BITKOM-Trendreport, der die Diskussionsgrundlage für die KnowTech 2007 bildet, den 9. Kongress zum IT gestützten Wissensmanagement am 28. und 29. November, können Sie hier kostenfrei herunterladen:
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