Vom ökonomischen Umgang mit Wörtern

Wir sind alle nicht perfekt im Umgang mit unserer Muttersprache. Wir planen im Voraus, sprechen von anderen Alternativen, eigenhändiger Unterschrift, Rückantwort und Zukunftsprognose. Sie traben, fliegen und stolpern durch die Texte, die weißen Schimmel, schwarzen Raben. kleinen Zwerge, großen Riesen und die alten Greise. Das Bürogebäude wird „neu renoviert“ und in der Zeitung lesen wir von „Zukunftsprognosen für 2010." Wer seine Gedanken zu Papier bringt, muss sich so ausdrücken, dass er auf Anhieb verstanden wird. Wer die Leser für sich einnehmen möchte, muss die Gefühle ansprechen und in Bildern sprechen.

Ökonomisch schreiben

Mitarbeiter und Führungskräfte formulieren Angebote, entwerfen Verträge und informieren Aktionäre, Betriebsräte und Mitarbeiter, schreiben Abmahnungen, Kündigungen, Einladungen, Absagebriefe und Arbeitszeugnisse. Sie halten Kurzvorträge, leiten Besprechungen, führen Gespräche mit Mitarbeitern und wollen andere mit Präsentationen von ihren Ideen überzeugen.

Korrektes Deutsch zu schreiben und zu sprechen ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Es gibt keine übergeordnete Instanz, die entscheidet, was gutes Deutsch ist, auch nicht die Duden-Redaktion.

Wie soll man formulieren? Kurze Sätze, präzise, anschaulich und verständlich. Das spart Zeit und Geld. Kann man das lernen? Ja, man kann sich auch in der Sprache disziplinieren und aus ausladenden Texten leicht lesbare Sätze bilden. Beispiel aus einem Interview mit einem Personalvorstand:

 Will ein Unternehmen etwas erreichen, muss das, was erreicht werden soll, also die Unternehmensziele, denjenigen, die an ihrer Erreichung arbeiten, bekannt sein.

Es ist zwecklos bei diesem Satz nach Fehlern zu suchen. Das ist grammatikalisch korrekt  formuliert. Man hätte aber auch sagen können: „Die Mitarbeiter müssen die Unternehmensziele kennen.“ Das klingt aber so selbstverständlich, dass man gleich ganz auf den Satz verzichten könnte.

Mehr Verben, weniger Substantive

Der Text muss auch logisch aufgebaut und gegliedert sein. Kurze, verständliche Sätze entsprechen eher einem ökonomischen Sprachstil als weit schweifende Formulierungen mit vielen Substantiven. Bandwurmsätze machen einen Text holprig und schwer lesbar. Sätze mit vielen Verben dagegen machen den Ausdruck lebendiger und anschaulicher. Es ist dieser furchtbare Nominalstil, dieses Papierdeutsch, das nicht nur in den Amtsstuben grassiert, sondern auch in den Chefetagen der Wirtschaft.

Ökonomisch formulieren heißt auch, Überflüssiges weglassen. Alles, was der Leser schon weiß, kann man weglassen und auch das, was er nicht wissen muss. Ökonomisch schreiben bedeutet, sprachlich und sachlich knapp formulieren, das richtige Wort finden, wenig Adjektive und Substantive verwenden und anschaulich schreiben: bildhaft, emotional, konkret.

Themenkonzentriert formulieren

Das Thema einer Besprechung, Tagung oder eines Workshops soll positiv und themenbezogen formuliert sein. Wer zu einer dienstliche Besprechung einlädt über das Thema „Reklamationen“, sollte schon beim Thema sagen, worum es ihm dabei konkret geht: Also nicht: Wir wollen über das Thema Reklamationen diskutieren, sondern präziser: Wie können wir die Reklamationsrate senken?

Die ökonomische Variante der Sprache beschäftigt sich weniger mit der Grammatik (wird vorausgesetzt) und auch nicht mit der Schönheit eines Satzes, sondern damit, ob der Text seinen Leser erreicht.  Das bedeutet: Der Text muss verständlich und wirkungsvoll sein. Auf Wörter, die schmückendes Beiwerk sind, wird verzichtet. Die Sprache ist nüchtern, sachlich, schnörkellos und leicht zu lesen. Man spart Zeit, kommt schnell zur Sache. Wer einfache Sätze schreibt, hat auch die Gewissheit, dass er selbst seine Sache, sein Problem verstanden wird.

Sprache ist nicht logisch

Ein Buchmacher macht bekanntlich keine Bücher, sondern nimmt Wetten an; ein Walfisch ist kein Fisch, sondern ein Säugetier, was auch Laien wissen. Das Gegenteil von Ruhe ist die Unruhe; aber das Gegenteil von „Mengen“ ist nicht Unmengen, sondern die Steigerungsform. Der Arzt verschreibt ein Rezept, aber verschreibt sich nicht dabei.

Das Gegenteil von Vorteil ist Nachteil, aber das Gegenteil von Vorschlag ist nicht Rückschlag oder Nachschlag, sondern „kein“ Vorschlag. Wir sprechen von Spannung und Entspannung, was aber ist das Gegenstück zu „Frühstück“? Spätstück? Nein, Abendbrot. Einen Kopf hat jeder, aber Köpfchen?

Sprache ist nicht logisch. Sie ist Konvention, Übereinkunft. Alle Kultursprachen haben eine lange Entwicklung hinter sich. Sie sind kein ausgeklügeltes System, sondern eine gewachsene Form der Verständigung.

Euphemismen

Schönredner sagen Nullwachstum, obwohl nur noch die Besorgnis, wächst, dass es noch schlimmer kommen könnte. Die Werbung hat das Wort vollschlank erfunden, das heute allgemeiner Sprachgebrauch ist. Der amerikanische Schriftsteller Philip Roth, ein Meister der Sprache, drückt es in seinem Roman „Jedermannso aus: Ihr Körper nahm mehr Raum ein als früher.“

Wir rekrutieren und entwickeln unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die unmittelbaren Stellenanforderungen hinaus, heißt es auf der Homepage der Firma Hilti. Was soll daran falsch sein? Jedenfalls ist es gut gemeint. Kann man Mitarbeiter entwickeln wie Produkte? So weit ist die Wissenschaft noch nicht. Das Entwickeln müssen die Mitarbeiter immer noch selbst besorgen.

Moden

Unternehmen von heute pflegen einen netten, kundenfreundlichen Ton. Auch die Bahn, sogar auf der ICE-Toilette: „Bitte verlassen Sie diesen Raum so, wie sie ihn vorfinden möchten.“ Hat die Bahn jetzt ein Sprach- oder ein Personalproblem?

Einige sind schon dabei, sich kürzer auszudrücken und folgen der englischen Grammatik. Sie sagen nicht: „Ich rufe Sie wieder an“, sondern knapper: Ich rufe Sie zurück (I call you back). Man spart ein Wort, der Anfang ist gemacht. Das lässt sich steigern. Sie sagen nicht: „Ich kann mich nicht daran erinnern“, sondern: „Ich erinnere das nicht“ (I can´t remember that). In diesem Fall werden zwei Wörter eingespart. Wer „gespart“ schreibt, spart eine weitere Silbe.

Mein Vorschlag

In jedem Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die ein gutes Sprachgefühl haben. Bilden Sie eine Arbeitsgruppe, die Mustertexte formuliert, die auf Ihr Unternehmen zugeschnitten sind und allen Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Anregungen für Ihre Mustertexte finden Sie in meinem Buch Praxisbuch Personalmanagement in der Pflege, Inhaltsverzeichnis finden Sie hier:

http://www.list-unternehmensberatung.de/Buecher.htm

 

 





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