Mindestlohn

Ein Mindestlohn ist ein in der Höhe durch den Staat oder durch einen Gesamtarbeitsvertrag festgeschriebenes Arbeitsentgelt, das Arbeitnehmer(inne)n als Minimum zusteht bzw. einen Mindest-Stundenlohn vorsieht.

Einen gesetzlichen Mindestlohn gibt es in den meisten europäischen Staaten und Nordamerika. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es dagegen keinen von der jeweiligen Bundesregierung [wiki:Mindestlohn], es wird großer Wert auf die [wiki:Tarifautonomie] gelegt.

Intention

Befürworter von Mindestlöhnen sehen darin einen Mindeststandard: Ein Mindestlohn sichere den Beschäftigten eine für die Lebenshaltung auskömmliche Lohnhöhe ([wiki:Existenzminimum]). Sie argumentieren ferner, es gäbe Fälle von [wiki:Marktversagen], in denen der [wiki:Freier Markt] nicht immer fähig sei, die Lohnhöhe selbst zu [wiki:Regulierung]. Durch Mindestlöhne werde dieses Gleichgewicht geschaffen. Zudem führe ein Mindestlohn zu einer Qualitätssicherung: Durch einen Mindestlohn werde sichergestellt, dass die [wiki:Arbeitnehmer] genügend [wiki:Motivation] sind. Die Qualität der Arbeitsleistung sei somit gewährleistet. Schließlich diene ein Mindestlohn der verbesserten [wiki:Gleichstellung] von Männern und Frauen, da Frauen für gleichwertige Arbeit oft schlechter bezahlt werden als Männer.

Geschichte

Ein Mindestlohn wurde historisch mehrfach von der [wiki:Arbeiterbewegung] durch [wiki:Streik] gefordert und erkämpft. Motiv waren sog. Hungerlöhne, die bei großer [wiki:Konkurrenz] auf dem Arbeitsmarkt nur noch erzielt wurden, aber nicht mehr zur Sicherung der [wiki:Grundbedürfnis] reichten. Eine Forderung nach einem solchen Mindest-[wiki:Lohn] stellte damals auch die Forderung nach einem [wiki:Menschenwürde] Leben dar.

Bewertung nach [wiki:Neoklassische Theorie]

Überblick

Experten stehen Mindestlöhnen überwiegend skeptisch gegenüber. Zusammenfassend wird angenommen, dass Mindestlöhne entweder keine Wirkung zeigen (wenn sie unter dem Gleichgewichtslohn liegen) oder zu unerwünschter Arbeitslosigkeit führen.

In einer Befragung von Wirtschaftswissenschaftlern, die in Unternehmungen, beim Staat und in Hochschulen tätig waren, stimmten 79 % der Befragten der These zu, dass Mindestlöhne die Arbeitslosigkeit der jugendlichen und unqualifizierten Arbeitskräfte erhöhen (Quelle: Richard M. Alston, J. R. Kearl, and Michael B. Vaughn, Is There Consensus among Economists in the 1990s? American Economic Review, May 1992, 203-209). Der [wiki:Wirtschaftsweise] [wiki:Wolfgang Franz] äußerte 2005: „Über kaum einen anderen Sachverhalt besteht in der Volkswirtschaftslehre so viel Einigkeit wie über die schädlichen Wirkungen von Mindestlöhnen.“'

Es wird betont, dass Mindestlöhne zu [wiki:Arbeitslosigkeit] führe: Mindestlöhne erhöhten die [wiki:Arbeitslosigkeit], da [wiki:Unternehmen] durch die Lohnhöhe davon abgeschreckt würden, Stellen zu schaffen.

Kritisiert wird zudem ein [wiki:Interventionismus]: Der freie Markt sei fähig, die Lohnhöhe selbst zu regulieren. Durch Mindestlöhne würde dieses [wiki:Gleichgewicht] gestört. Zudem entstünde ein [wiki:Nettowohlfahrtsverlust]: Durch den Eingriff in den freien Markt sänke die [wiki:Nettowohlfahrt]. Der Mindestlohn führe auch zu geringerer [wiki:Produktivität], wenn der Produktionsfaktor Arbeit teurer wird, und damit zum Ansteigen der Preise.

Durch den [wiki:Sozialhilfe] bestehe faktisch ein Mindestlohn, niemand würde für weniger arbeiten, als ihm auch ohne Arbeit zusteht.

In den nachfolgenden Abschnitten werden Mindestlöhne unter theoretischen Aspekten näher beleuchtet.

Niedriger Mindestlohn

[wiki:Spezial:Upload]
Niedriger Mindestlohn (wie in der VWL oftmals üblich, sind die Achsen vertauscht. Die Lohnhöhe bestimmt somit die Anzahl der Arbeitsplätze und nicht etwa umgekehrt. S = supply/Angebot. D = demand/Nachfrage.)

Nach den Gesetzen von [wiki:Angebot und Nachfrage] (s. dort für eine ausführliche Begründung) stellt sich in einem freien Marktgeschehen unweigerlich ein Gleichgewicht ein. Es handelt sich dabei um die Situation, bei der Angebotspreise und -mengen mit Nachfragepreise und -mengen übereinstimmen.

Liegt der Mindestlohn <math>W_{min}</math> unterhalb des Gleichgewichtslohns <math>W_{GG}</math>, so hat die Einführung eines Mindestlohns in der Theorie keinerlei Auswirkungen auf die Lohnhöhe W oder Arbeitsmenge L. Beispielsweise würde die Einführung eines Mindestlohns von 200 Euro pro Monat für Hochschulabsolventen keinerlei Wirkung zeigen. Der sich aus dem Marktgeschehen ergebende Gleichgewichtspreis würde als Ausdruck der Knappheit von Hochschulabsolventen dennoch bezahlt werden.

Hoher Mindestlohn

[wiki:Spezial:Upload]
Hoher Mindestlohn

Liegt der Mindestlohn so hoch, dass er Auswirkungen auf die Lohnhöhe hat, ist nach klassischer Lehrmeinung Arbeitslosigkeit die Folge.

Liegt der Mindestlohn <math>W_{min}</math> über dem Gleichgewichtslohn <math>W_{GG}</math> – darf also unterhalb des Mindestlohns keine Arbeit mehr angeboten bzw. nachgefragt werden – hat das folgende Effekte:

  1. Die Unternehmen als die Nachfrager von Arbeit (Kurve D) sind zu dem höheren Preis nur mehr bereit, eine geringere Menge Arbeit nachzufragen (<math>L_1</math>) als im Gleichgewicht (<math>L_{GG}</math>).
  2. Die Menschen als die Anbieter von Arbeit (Kurve S) wären zu dem höheren Preis bereit, mehr Arbeit (<math>L_2</math>) anzubieten als im Gleichgewicht.

Die Menge an unfreiwilliger Arbeitslosigkeit besteht aus der Differenz zwischen <math>L_2</math> und <math>L_1</math>.

Alternative Deutung

Ein oft genannter Kritikpunkt an der klassischen Ökonomie ist die ungenügend berücksichtigte nachfragestützende Wirkung des Mindestlohns. Einzelne Unternehmen handeln [wiki:Mikroökonomie] gesehen vernünftig, wenn sie ihre Lohnkosten und damit die Löhne gering halten wollen. Nach der [wiki:Keynesianismus] handeln sie aber [wiki:Makroökonomie] volkswirtschaftlich schädlich, weil die realisierbare Nachfrage mit den Löhnen gleichfalls sinkt.

Allerdings ist bei dieser Argumentation zu beachten, dass neben Arbeitnehmern auch Unternehmen eine Nachfrage haben, die bei sinkenden Lohnkosten ihrerseits steigen kann. Viele Volkswirte bezweifeln die langfristige Gültigkeit dieser alternativen Deutung, die beispielsweise von den [wiki:Gewerkschaft] vertreten wird.

Empirie

Empirisch lässt sich aufgrund der Schwierigkeit, die Auswirkungen eines einzelnen Elements in einem komplexen Wirtschaftsgefüge zu messen nur schwer der Nachweis führen, dass Mindestlöhne Arbeitslosigkeit verursachen. Zahlreiche Länder wie [wiki:Frankreich], [wiki:Großbritannien] und [wiki:Luxemburg] (Liste siehe unten) verfügen über eine Mindestlohnregelung, ohne dass signifikante Verschlechterungen der Arbeitsmarktsituation beobachtbar sind. Tatsächlich wurde der gesetzliche Mindestlohn in [wiki:Großbritannien] zwischen 1999 und 2004 von 3,60 auf 4,85 britische Pfund (etwa 7,10 Euro) angehoben. Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent (1998) auf 4,7 Prozent (2004).

Nach einer in der [url:http://www.zeit.de/2005/24/Forum|"Zeit"] vorgestellten Studie der [wiki:Princeton]-Professoren [wiki:Alan Krueger] und [wiki:David Card] führten Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns um 20% zu keinem Arbeitsplatzabbau. Als Folge sei die Zustimmung zu der These, erhöhte Mindestlöhne führten zu steigender Arbeitslosigkeit, unter amerikanischen Ökonomieprofessoren von 63% [wiki:1990] auf 43% im Jahr [wiki:2000] gefallen.

Quasi-Mindestlohn durch soziale Transferleistungen?

Auch wenn Deutschland nicht in der Liste der Staaten mit Mindestlohn-Vorschriften zu finden ist, kann die [wiki:Sozialhilfe] als Mindestlohn angesehen werden. Während ein Mindestlohn gesetzlich verbietet, unterhalb des Sozialhilfe-Niveaus Arbeit zu entlohnen, verhindert ein Transfereinkommen wie [wiki:Arbeitslosengeld] de facto ein Lohnniveau unter oder knapp über diesen Leistungen. Nach dieser Betrachtung ist es für Menschen ökonomisch irrational, eine Arbeit für weniger Geld anzunehmen, als sie an Sozialhilfe erhalten. Erst wenn der Lohn ihren Anspruch auf Sozialhilfe ausreichend übersteigt (Reservationspreis, Lohnabstandsgebot), wird sich für sie die Erwerbsarbeit wieder lohnen. Allerdings geht eine solche Herangehensweise darüber hinweg, dass Arbeitsverhältnisse aus mehr als nur Lohnzahlungen bestehen. Werden Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe als de-facto-Mindestlohn angesehen, trifft dies möglicherweise auf die ökonomischen Aspekte von Arbeit zu, nicht aber auf die sozialen.

Die Diskussion über einen Mindestlohn ist neu entbrannt, weil osteuropäische Arbeitnehmer - die in Deutschland nicht sozialhilfeberechtigt sind - zunehmend zu Niedrigstlöhnen Arbeit in Deutschland anbieten.

Ausgewählte Staaten

Überblick

[wiki:Staat] gesetzlich vorgeschriebener
Mindestlohn pro Monat
in Euro (Stand:
01/2004) [url:http://www.eds-destatis.de/de/downloads/sif/nk_04_10.pdf|Eurostat]
[wiki:Luxemburg] 1.403
[wiki:Niederlande] 1.265
[wiki:Belgien] 1.186
[wiki:Frankreich] 1.173
[wiki:Republik Irland] 1.073
[wiki:Großbritannien und Nordirland] 1.083
[wiki:USA] 727
[wiki:Griechenland] 605
[wiki:Malta] 543
[wiki:Spanien] 537
[wiki:Portugal] 498
[wiki:Slowenien] 471
[wiki:Türkei] 240
[wiki:Tschechien] 207
[wiki:Ungarn] 191
[wiki:Polen] 177
[wiki:Estland] 159
[wiki:Slowakei] 148
[wiki:Litauen] 125
[wiki:Lettland] 121
[wiki:Russland] ca. 10 (300 [wiki:Rubel])
[wiki:Schweden], [wiki:Dänemark] [wiki:Branche]
[wiki:Österreich] über [wiki:Sozialpartner]
[wiki:Deutschland] (in der Diskussion)
[wiki:Schweiz] (in der Diskussion)

In den meisten [wiki:EU]-Ländern wird der Mindestlohn als Monatslohn definiert, in den [wiki:USA], [wiki:England] und [wiki:Republik Irland] als Stundensatz. Im Jahr 2005 hatten 18 von 25 Mitgliedstaaten der [wiki:Europäische Union] einen [wiki:Gesetz] festgelegten Mindestlohn, der von 121 EUR ([wiki:Lettland]) bis 1.403 EUR ([wiki:Luxemburg]) reicht. In einigen anderen Staaten bestehen [wiki:Branche]- und andere [wiki:Regelung]. Mit Ausnahme der USA passen die meisten westlichen Länder die Mindestlöhne regelmäßig an die gestiegenen Lebenshaltungskosten an.

Schweden

In einigen EU-Ländern bestehen zwar keine gesetzlichen Regelungen zum Mindestlöhn, doch gibt es sie de facto in freierem Rahmen - z.B. in [wiki:Schweden] in Form [wiki:Industrieller] Branchenregelungen durch [wiki:Kollektivvertrag].

Schweiz

In der [wiki:Schweiz] gibt es nur wenige Gesamtarbeitsverträge, die Angaben zu Mindestlöhnen enthalten. Der [wiki:Schweizerischer Gewerkschaftsbund] empfiehlt einen Mindestlohn von 3.550 [wiki:CHF] (~ 2.300 €). Dies gilt als das Existenzminimum für eine alleinerziehende Person mit einem Kind.Es gibt Branchen, vorwiegend in der Gastronomie und beim Detailhandel, die Leute zu tieferen Löhnen anstellen (rund 2.700–3.300 [wiki:CHF]). Dabei gelten Löhne unter 3.000 [wiki:CHF] (~2.000 €) von der Bevölkerung gewöhnlich als inakzeptabel unabhängig der Beschäftigung und es gibt Diskussionen, vor allem seitens des Gewerkschaftsbundes, einen gesetzlichen Mindestlohn von 3.000 [wiki:CHF] einzuführen.

Österreich

In [wiki:Österreich] ist die Situation vergleichbar. Jene Betriebe, die (Zwangs-) mitglieder in der Wirtschaftskammer sind (im wesentlichen alle gewerblich oder industriell tätigen Wirtschaftsbetriebe), unterliegen zwingend den für sie stellvertrend zwischen der Wirtschaftskammer und der zuständigen Gewerkschaft abgeschlossenen Kollektivverträgen. Dort sind - je nach Einstufung der Tätigkeit und dem Dienstalter - verbindliche Mindestlöhne festgelegt. Allerdings gibt es auch Berufsgruppen, die keine Mitglieder der Wirtschaftskammer sind - dort gibt es dann u.U. keinen Kollektivvertrag und daher auch keine Mindestlöhne.

Deutschland

In [wiki:Deutschland] entfaltet die [wiki:Allgemeinverbindlichkeit] eine ähnliche Wirkung. Diese gilt allerdings bisher nur in wenigen Branchen, unter anderem im Baugewerbe. Von der ausserdem bestehenden gesetzlichen Grundlage zur Bestimmung von Mindestlöhnen im "Gesetz über die Festsetzung von Mindestarbeitsbedingungen" ist bislang kein Gebrauch gemacht worden.

Weitere Staaten

Doch auch in Ländern mit gesetzlichem Mindestlohn sagt dessen Existenz nur wenig über seine [wiki:Reichweite] aus. So erfasst die Regelung in [wiki:Spanien] nur 0,8 % der Vollzeitkräfte; in [wiki:England] und Holland sind die entsprechenden Werte 1,9 und 2,3 Prozent. In [wiki:Frankreich] erhalten 13 % aller abhängig Beschäftigten den Mindestlohn.

Mindestlohn in der Parteiendiskussion

Die Linkspartei.

Die Linkspartei. sieht derzeit einen Mindestlohn von 1400 Euro Im Moant vor,

WASG

Die WASG einen Mindestlohn von 1600 Euro.Die Berechnungen auf welche Wochenstundenanzahl sich die Parteien beziehen, sind im Detail nachzuschauen.

SPD

Aber auch die Bündnis´90 / Die Grünen und die SPD diskutieren derzeit einen Midnestlohn.

Siehe auch

Weblinks und Literatur




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