Körpersprache

Hier soll die Rede sein von der Bedeutung der Körpersprache beim [wiki:Einstellungsinterview.]


Körpersignale deuten

Wenn ein Japaner lächelt oder eine Stewardess, heißt das nicht zwangsläufig, dass beide sich freuen. Bei den Japanern ist das Lächeln kulturbedingt, die Stewardess übt einen Lächelberuf aus.

Ein geschickter Bewerber wird die Körpersprache bewusst einsetzen, um durch Gestik und Mimik das gesprochene Wort zu unterstützen. Ihm sollte auch bewusst sein, dass die Körperbewegungen mit den verbalen Äußerungen übereinstimmen. Wer versöhnliche Worte spricht und dabei die Faust ballt, verrät, dass er lügt.

Wenn ein Bewerber mit schlurfenden Gang auf seinen Gesprächspartner zugeht, ihn mit leiser Stimme und weichem Händedruck begrüßt, wird er es schwer haben, schnell eine positive Beziehung herzustellen und einen guten Eindruck machen. Wenn er dann noch beim Gespräch abwechselnd zur Decke und auf seine Fingernägel schaut, sich öfter am Hinterkopf kratzt, an seinem Ohrläppchen zupft und beide Hände des öfteren am Hinterkopf verschränkt, hinterlässt er einen eher fahrigen Eindruck. Nervöse Gesten, wie Ohrläppchen zupfen oder an die Nase fassen werden die Interviewer noch akzeptieren, aber alles, was darüber hinausgeht, sind Grenzüberschreitungen.

Das Verhalten des Bewerbers ist dann stimmig, , wenn der Körperausdruck mit dem gesprochenen Wort übereinstimmt. Wer als Bewerber gelassen, souverän und lächelnd von einem Misserfolg spricht und dabei seine Faust ballt, verhält sich nicht kongruent, das heißt: Körperausdruck und verbales Verhalten stimmen nicht überein. Die Körpersprache, die nonverbale Kommunikation, ist Ausdruck unserer Empfindungen und unserer Stimmungen. Nicht nur ein Bewerber ist gut beraten, seinen Gefühlen nicht immer freien Lauf zu lassen.


Körpersprache nicht immer eindeutig


Man kann aus Freude, aber auch aus Trauer weinen. Die Interpretation ist nur aus der konkreten Situation heraus möglich:


Der Gang

· Langsame, schleppende Schritte: antriebslos

· Gesenkter Kopf: ängstlich, deprimiert

· Schlendernd, mit dem Arm schwenkend: entspannt, lässig, interessiert sich für viele Dinge.

· Trippelnd, mit kleinen Schritten: ängstlich, vorsichtiger Charakter oder Koketterie.

· Stapfender Schritt, fest auftretend: will stark und beständig erscheinen.

· Ausgreifende, federnde Schritte: wirkt dynamisch.


Gestik

Mit Händen und Füßen zu reden, rechnen wir eher italienischem Temperament zu. Das kommt bei uns nicht gut an, auch nicht in Vorstellungsgesprächen. Was soll der Bewerber tun? Soll er seine Greif- und Bewegungswerkzeuge für eine bestimmte Zeit stilllegen? Nein. Ohne Gesten wird das Sprechen eintönig und langweilig. Wir akzeptieren und mobilisieren uns auch selbst durch unsere Gesten. Der Ausdruck wird dadurch lebendiger, überzeugender. Wer als Bewerber mit Begeisterung von seiner Arbeit spricht und das mit leuchtenden Augen und mit Handbewegungen unterstreicht, wirkt glaubwürdig und überzeugend.

Schon die Kopfhaltung kann viel aussagen. Die Nase hoch tragen signalisiert Überheblichkeit, den Kopf seitlich kippen eher Freundlichkeit und den Kopf gesenkt halten bedeutet Demut oder Unsicherheit.


Mimik, Blick

Japaner kontrollieren ihren Gesichtsausdruck besonders stark. Und sie lächeln auch, wenn ihnen nicht danach zu Mute ist. Nicht wenige Europäer irritiert das, weil sie nicht wissen, woran sie sind. Japaner sind schwer zu durchschauen.

Das Gesicht sagt viel über Stimmungen und Gefühle aus. Es signalisiert auch, ob jemand Kontakt aufnehmen will, reden oder schweigen möchte und ob das Gesagte verstanden wurde.

Die Sprache des Gesichts ist auch eine Sprache der Augen. Ein Bewerber sollte zu seinen Gesprächspartnern Blickkontakt haben. Blickkontakt heißt nicht, jemand dauernd in die Augen zu sehen. Ein stechender Blick wirkt abstoßend.

Bewerber wollen einen guten Eindruck machen. Das fängt bei der Begrüßung an. Ein Lächeln signalisiert eine freundliche, optimistische Grundhaltung. Entwicklungsgeschichtlich lässt sich sagen, dass Primaten ihren Artgenossen mit dem Entblößen der Zähne zeigen wollen, dass sie ihnen freundlich gesinnt sind. Wer lächelt, gewinnt.

Lächeln gilt als Beziehungsangebot. In unserer Kultur gilt es als unhöflich, nicht zurückzulächeln. Lächeln gilt als Ausdruck von Freude, Zufriedenheit, körperliches Wohlbefinden und manchmal auch von Humor. Wer annimmt, dass alle Bewerber bei der Begrüßung lächeln, täuscht sich. Gute Verkäufer dagegen wissen um das Lächeln. Es ist eine besonders wirkungsvolle Strategie. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass lächelnde Menschen freundlicher und attraktiver wahrgenommen werden. Der amerikanische Sozialpsychologe Robert Rosenthal von der Harvard University hat herausgefunden, dass wir alle mit dem Gesicht am Besten lügen können.


Die Stimme

Hat der Bewerber eine angenehme, sympathische Stimme? Oder klingt seine Stimme arrogant und abweisend? Ist seine Stimme warm und sanft oder eher kühl und schnarrend?

Die Stimme verrät unsere Gefühle. Sie zeigt dem Gesprächspartner, wie man sich fühlt. Menschen mit tiefer Stimme werden als reifer, kompetenter und sympathischer eingestuft als Menschen mit hoher Stimme. Eine kräftige, aber nicht zu laute Stimme wird mit Vitalität und Extrovertiertheit in Verbindung gebracht; eine hohe und leise Stimme dagegen mit Schüchternheit und mangelnder Durchsetzungsfähigkeit.

Wer als Bewerber dauernd leise und monoton spricht, wirkt ermüdend. Die Stimme sollte der Situation angemessen sein. Es wird ein ständiger Wechsel sein: Lautstärke, Dehnung, Stimmhöhe, Sprechgeschwindigkeit.

Forscher der Harvard University haben bei Versuchspersonen festgestellt, dass dem Tonfall eine Schlüsselfunktion zukommt. Mag es einem Bewerber noch gelingen, seinen Zorn mit einem Lächeln zu verbergen, wird er es kaum schaffen, seinen Zorn in seiner Stimme zu unterdrücken.


Fazit

Bei der Beurteilung der Eignung des Bewerbers sollte jeder Interviewer eine Einschätzung der Körpersprache abgeben, die wie die andere Beurteilungskriterien bei der Einstellungsentscheidung eine Rolle spielen.


Literatur

www.info[at]muellerschoen-focus.de


Körpersprache
HRM.de - Das Netzwerk für Personalwesen. HR-Pedia - Der Wissenspool für das Human Resource Management. HR-Jobbörse