Beschaffungsstrategie

Die Beschaffungsstrategie als Teil der Materialwirtschaft eines [wiki:Unternehmen] legt mittelfristig die Verteilung der [wiki:Beschaffung] von Gütern und [wiki:Dienstleistung] auf einzelne Lieferanten fest.

Zentrales Ziel einer Beschaffungsstrategie ist die Sicherstellung der Versorgung des Unternehmens mit allen nötigen Mitteln. Dem gegenüber stehen die damit verbundenen Kosten und das wirtschaftliche Interesse der Unternehmung, diese Kosten so gering wie möglich zu halten.

Konkrete Regelungsbereiche der Beschaffungsstrategie sind:

Die Mengenentscheidung => Welche Mengen...
die Sortimentsentscheidung ...welcher Güter...
die Qualitätsentscheidung ...in welcher Qualität...
die Preisentscheidung ...und zu welchem Preis...
die Lieferantenentscheidung ...bei welchen Lieferanten bezogen werden sollen.

Da es sich um eine Strategie handelt, beziehen sich diese Entscheidungen nicht auf den konkreten Kauf einer bestimmten Menge, sondern verstehen sich vielmehr als Richtlinie für die [wiki:Beschaffung], einen bestimmten Anteil des gesamten Einkaufsvolumens von einem bestimmten Lieferanten oder beispielsweise in einem lokalen Markt zu beziehen.

Beschreibung und Abgrenzung

Die effiziente Beschaffung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Bauteilen, fertigen Gütern und [wiki:Dienstleistung] trägt einen wichtigen Teil zur Sicherung des [wiki:Gewinn] bei. Große Unternehmen und [wiki:Konzern], beispielsweise in der [wiki:Automobilindustrie], waren die Ersten, die die gewaltigen Optimierungspotentiale durch kürzere [wiki:Durchlaufzeit] und verringerte Lagerbestände erkannten, und begannen, sie durch genaue [wiki:Planung] der Anlieferung und [wiki:Fertigung] auszunutzen.Die Umsetzung von Konzepten wie [wiki:Just in time] ( = fertigungssynchrone Anlieferung; siehe auch: [wiki:Bestellpolitik]) oder die [wiki:Vertikale Integration] von Zulieferbetrieben sind die bekanntesten Folgen dieser Bestrebungen.

Erst in jüngeren Jahren schenkte auch der Mittelstand der Beschaffung als unternehmerischen Erfolgsfaktor zunehmende Beachtung. Man erkannte, dass mögliche Gewinne durch Optimierungen nicht nur in der Anlieferung und der betriebsinternen [wiki:Verarbeitung] von Gütern stecken. Schon am Beginn des Beschaffungs[wiki:Prozess] lassen sich unnötige [wiki:Ausgaben] durch eine exakte Bestimmung der benötigten Mengen und [wiki:Qualität] von Gütern vermeiden. Weiters ist eine sorgfältige Auswahl der Lieferanten hinsichtlich des [wiki:Preis (Wirtschaft)], der [wiki:Zuverlässigkeit] (sowohl in Vertragserfüllung als auch Termintreue) und nicht zuletzt der Transportkosten essentiell.

Eng damit verbunden sind auch die Fragen nach Eigenfertigung oder Fremdbezug ([wiki:Make-or-Buy]) und Kauf direkt beim [wiki:Produzent] oder indirekt über den [wiki:Großhandel]. Neben all diesen Entscheidungen können auch soziale und politische Überlegungen eine Rolle spielen, was sich etwa in der Bevorzugung lokaler Anbieter oder von [wiki:Fairtrade]-Produkten niederschlägt.

Abgrenzung:

Hingegen sind Entscheidungen über [wiki:Make-or-Buy], Bezug beim Produzenten oder über Händler, das Zusammenwirken von [wiki:Einkaufspreis], Transportkosten und Zöllen, Kosten der Lagerhaltung, die Versorgungssicherheit, Präferenzen für lokale oder fair gehandelte Güter, und die Übereinstimmung mit dem [wiki:Leitbild] Themen der Beschaffungsstrategie.

Die Bedeutung der Beschaffung beschränkt sich daher nicht auf die bloße Tätigkeit des [wiki:Einkauf]. Das Erstellen einer Beschaffungsstrategie ist zur [wiki:Unternehmensführung] geworden.

Da die Entscheidungen über die Beschaffungsstrategie großen Einfluss auf die [wiki:Opportunitätskosten] des Unternehmens haben, stellt die Kostenfrage einen guten Ansatzpunkt für das Erstellen der Strategie dar. Eine besondere Schwierigkeit dabei stellen [wiki:Trade-off] zwischen einzelnen Kostenfaktoren wie niedrigem Einkaufspreis und hohen Transportkosten, oder Kosten der Lagerhaltung und Kosten einer möglichen Unterversorgung dar, die ein sorgfältiges Abwägen erforderlich machen.

In der letzten Zeit ist die Betrachtung und Optimierung des [wiki:Beschaffung] zunehmend in den Vordergrund getreten gegenüber der reinen Betrachtung der Einkaufspreise der Lieferanten.

Beschaffungsstrategien

Die folgenden Strategien stellen verschiedene Konzepte der Beschaffung mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen vor. In der Praxis treten oft auch Mischformen zwischen diesen Modellen auf.(Die hier beschriebenen Konzepte gehen von externer Beschaffung aus. D.h. die [wiki:Make-or-Buy]-Entscheidung wurde vorweggenommen, es steht nur der Bezug bei unternehmensexternen Lieferanten zur Diskussion.)

Einzelquellenbeschaffung/Single Sourcing

Einzelquellenbeschaffung (= Single Sourcing) bezeichnet die Beschaffung einer definierten Palette an Waren/Dienstleistungen von einem einzigen [wiki:Anbieter].

Vorteile

Nachteile/Risiken

Doppelquellenbeschaffung/Dual Sourcing

Bei der Doppelquellenbeschaffung (= Dual oder Double Sourcing) bezieht man ein und dasselbe Gut von zwei verschiedenen Anbietern.

Vorteile

Nachteile

Mehrquellenbeschaffung/Multiple Sourcing

Mehrquellenbeschaffung (= Multiple Sourcing) bedeutet, mehrere bis viele Anbieter für ein Produkt zu haben.Dabei können die Quoten für den Produktionsanteil einzelner Lieferanten über längere Zeit stabil gehalten werden (Quotenbezug), oder situativ wechseln. Hierbei steht die Nutzung kurzfristig günstiger Marktbedingungen im Vordergrund.

Vorteile

Nachteile

Globalbeschaffung/Global Sourcing

Der Begriff ist in der Literatur nicht eindeutig definiert. Häufig wird Global Sourcing als die Beschaffung des günstigsten Produkts auf dem [wiki:Weltmarkt] definiert. Im Sinne der Beschaffungsstrategie bedeutet das die effiziente Nutzung weltweiter [wiki:Ressourcen] / internationaler Bezugsquellen. Die internationale Beschaffung ist somit ein strategisches Element zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen.Praktisch geht Global Sourcing oft mit Multiple Sourcing einher. Der Abnehmer hat für jedes Produkt einen günstigen Anbieter am Weltmarkt. Es ist aber in Global-Sourcing-Strategien ebenso üblich, die Beziehung zu wenigen wichtigen Lieferanten zu pflegen.

Vorteile

Nachteile

Siehe auch: [wiki:Outsourcing], [wiki:Neoliberalismus].

Lokalbeschaffung/Local Sourcing

Local Sourcing bedeutet das Gegenteil von Global Sourcing: den bewussten Bezug bei Beschaffungsquellen in geographischer Nähe des Unternehmens. Teilweise wird der Begriff Domestic Sourcing gleichbedeutend verwendet, und meint diesfalls Bezug im Inland. Dies kann sich einerseits auf den Heimatmarkt des Unternehmens beziehen. Andererseits kann es sich um Beschaffung im jeweiligen nationalen/regionalen Absatzmarkt eines [wiki:Multinational] Unternehmens handeln. (Beispiel: ein Fast-Food-Konzern, der Fleisch aus Österreich kauft und damit Burger für den österreichischen [wiki:Markt (Ökonomie)] herstellt.)

In der Literatur finden sich darüber hinaus 'Zwischenstufen' zwischen Global und Local Sourcing, wie Euro Sourcing, das die Suche nach dem besten Lieferanten Europas oder der Eurozone bezeichnet. Derartige Formen des 'Regional Sourcing existieren für jeden größeren [wiki:Wirtschaftsraum].

Vorteile

Nachteile

Forward Sourcing

Forward Sourcing ist ein integrativer Ansatz der Beschaffungsstrategie: Lieferanten werden bereits in die Produktplanung eingebunden. Der Hersteller entwickelt das Produkt zusammen mit den Herstellern einzelner Bauteile.

Vorteile

Nachteile

Sole Sourcing

Situation: Lieferanten mit monopolistischer Stellung auf dem Markt

Ursachen: - staatliche Regulierungsmaßnahmen- Exklusive Nutzungsrechte- Ergebnis von Verdrängungswettbewerb

Konsequenz für das Beschaffungsmanagement: vollständige Abhängigkeit von der Geschäftspolitik des Lieferanten

Strategien der Beschaffungspolitik: - langfristige Rahmenverträge- Suche nach Substitutionsprodukten- Veränderung der Marktstrukturen auf Anbieterseite

Modular Sourcing / System Sourcing

Einkauf fertig produzierter Module (Baugruppen) oder Systeme.

Industriezweige wie die Automobilindustrie, Bauindustrie oder die elektronikverarbeitende Industrie kaufen oft anstelle von Einzelteilen fertig montierte Baugruppen mit relativ großem Funktionsumfang, z.B. Armaturenbretter im Automobilbau.

Vorteile :

Nachteile :

Siehe auch

Neben diesen grundsätzlichen [wiki:Strategie] gibt es weitere [wiki:Konzept], die bei der Erstellung einer Beschaffungsstrategie hilfreich sind bzw. Richtlinien, die man bedenken sollte.

Die ABC-Analyse ist ein Instrument zur Einteilung aller Beschaffungsgüter nach ihrem Wertbeitrag zum Gesamtprodukt. A-Güter haben zwar nur einen geringen Mengenanteil an dem Produkt, aber den höchsten Wertanteil. C-Güter hingegen haben einen großen Mengenanteil am fertigen Produkt, machen in Summe aber nur sehr wenig Wert aus. Auf den Ergebnissen einer ABC-Analyse kann die Beschaffungsstrategie gut aufsetzen.Implikationen: Für A-Güter empfiehlt sich oft eine Single- oder Dual-Sourcing Strategie, während sich für C-Güter das Multiple Sourcing oft besonders eignet. (Details: siehe ABC-Analyse)

Quotenregelungen:

Das "60/30/10-Modell" wird in der [wiki:Industrie] häufig verwendet, und empfiehlt, 60% des Bedarfs an einem Artikel bei einem Hauptlieferanten zu decken, weitere 30% bei einem zweiten wichtigen Anbieter, und die restlichen 10% auf kleine Lieferanten zu verteilen.

Das "30%-Modell" empfiehlt dringend, nicht mehr als 30% der Produktionskapazität eines Anbieters in Anspruch zu nehmen. Dadurch soll verhindert werden, dass es bei Produktionsschwankungen des Lieferanten unmittelbar zu Lieferverzögerungen kommt. Außerdem gerät der Lieferant dadurch nicht in vollkommene wirtschaftliche Abhängigkeit vom Abnehmer.

Weiterführende Links

[wiki:Bedarfsermittlung]

[wiki:Make-or-Buy]

[wiki:Outsourcing]

[wiki:Bestellmenge]

[wiki:Bestellpolitik]

[wiki:Lieferantenmanagement]

[wiki:Modular Sourcing]


[url:http://www.logistik-lexikon.de|http://www.logistik-lexikon.de]

[url:http://www.ebz-beratungszentrum.de/logistikseiten/artikel/global1.html|http://www.ebz-beratungszentrum.de/logistikseiten/artikel/global1.html] (Global Sourcing)

[url:http://www.eiro.eurofound.eu.int/2000/08/word/de0003246s.doc|http://www.eiro.eurofound.eu.int/2000/08/word/de0003246s.doc] (Forward Sourcing)

[url:http://www.supply-markets.com|http://www.supply-markets.com] (Global Sourcing)

Literatur




Dieser Artikel basiert auf einem gleichnamigen Artikel der freien Enzyklopädie [url:http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite|Wikipedia] und steht unter der Doppellizenz [url:http://www.gnu.org/licenses/gpl-3.0.html|GNU-Lizenz für freie Dokumentation] und [url:http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/|CC-BY-SA 3.0 Unported]. In dem Artikel von Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


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